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3. Die Reunionspolitik nach 1679 und die Schaffung der Saarprovinz (1685 - 1697)

Neben der durch die Anwendung militärischer Gewalt geplanten Expansion versuchte Frankreich sein hochgestecktes Ziel, die Rheingrenze, auch mit scheinbar legalen Methoden zu erreichen. Im Zentrum dieser scheinbar friedlichen Politik standen die sog. Reunionen. Mit dieser ausgeklügelten und gleichsam dreisten Reunionspolitik versuchte Frankreich ohne Krieg seine Ostgrenze immer weiter auf Kosten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in Richtung Rhein zu verschieben. Aufgrund der militärischen Macht jenseits des Rheins und der Türkengefahr mußte der deutsche Kaiser diese Politik vorerst akzeptieren, bevor Frankreich im Frieden von Rijswijk 1697 die reunierten Gebiete (außer im Elsaß) wieder räumen mußte.

Die Reunionspolitik bedeutete für den Saarraum konkret, daß sich seit 1680 dort die Franzosen breit gemacht hatten und diese die neuerworbenen Gebiete in der sog. Saarprovinz ab 1685 neu organisierten.  Für die Ensheimer bedeuteten die Reunionspolitik und die Schaffung der Saarprovinz , daß sie zwischen 1680 und 1697

Außerdem setzten sich die neuen französischen Herren dafür ein, daß die Rekatholisierung in den während der Reformation protestantisch gewordenen Gebieten mit Nachdruck gefördert wurde, so auch in Ensheim. Wenn nicht die neuen Steuern erhoben worden wären und damit die Belastung der Bevölkerung praktisch übergangslos weiterbestanden hätte, hätten die Ensheimer eigentlich den Franzosen sehr dankbar sein müssen. Es ist leider nicht bekannt, wie die Ensheimer Bevölkerung in dieser Zeit den Franzosen gegenüber eingestellt war, aber es ist doch anzunehmen, daß sie gegenüber den westlichen Nachbarn doch ein zumindest reserviertes Verhältnis hatte, nicht zuletzt auch durch die Belastungen der von Frankreich provozierten Kriege. Sicher waren die Ensheimer auch nicht damit einverstanden, daß ihnen der erste  katholische Pfarrer nach der Reformationszeit, Bartholomäus Schenk  (1680 - 1685) , ein Benediktiner aus der Abtei Schwarzach bei Würzburg, von den Franzosen mehr oder weniger vor die Nase gesetzt worden war.

Als Frankreich die reunierten Gebiete 1697 im Frieden von Rijswijk wieder herausgeben mußte, hätten sicher die jetzt wieder souverän gewordenen protestantischen Reichsfürsten wie der Graf von Nassau-Saarbrücken die Rekatholisierungsmaßnahmen gerne wieder rückgängig gemacht; dies aber war gemäß Artikel 4 des Friedensvertrages ausgeschlossen, wo festgelegt worden war, "daß die Ausübung der kath. Religion in den zurückgegebenen Gebieten in dem Stand zu verbleiben habe, in welchem sie sich zur Zeit des Friedensschlusses befand." (Moog, op. cit., 388) Nachdem dennoch einige protestantische Fürsten die Wiedereinführung der lutherischen Religion wagten, schoben die Franzosen auf dem Reichstag von Regensburg 1699 durch ihren Gesandten Chamoy die nach diesem benannte "Chamoy'sche Liste" nach, in der alle in Frage kommenden katholischen Pfarreien aufgezählt waren: Die Gemeinde Ensheim erschien in dieser Liste bei den Pfarreien des Bistums Metz als "Entzheim" an 38. und Eschringen ("Eschering") an 39. Stelle.


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Last update: 13.11.2004            © Paul Glass 1997 - 2004 ff