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2.4 Ensheim im 20. Jahrhundert


2.4.3 Ensheim während der Nazi-Diktatur (1935 - 1945)


Kriegsgeschichten (2)


Kriegskinder

Von Hans Mayer, Hamburg

Das Theater begann 1939/40. Meine Eltern mußten Ensheim wegen der Kriegsgefahr im Westen verlassen und kamen in die Nähe von Danzig. Wir durften im sehr kalten Winter 1940/1941 heimkehren, wohnten kurz beim »Metzger Peter« in der Fabrikstraße, dann in der Ludwigstraße. Ich kam dann in Schule zum Lehrer Eberhard. Von Bombenangriffen blieben wir verschont. Es gab 1944 als Schutzraum einen Bunker, den man in den Lehberg gegraben hatte. Wir mussten bei Fliegeralarm etwa 10 Minuten bis dorthin gehen. Mir ist noch in Erinnerung, dass die "Russenmädchen", die in der Fabrik arbeiteten, draußen warten mussten, bis alle Ensheimer im Bunker waren. In dieser Zeit, bis Herbst 1944, sind nur zwei Bombenblindgänger am Ortsrand gefallen, ohne Schaden anzurichten. Wir Kinder staunten, weil die Löcher nicht sehr tief waren. Außerdem sammelten wir von den Feldern die kleinen Propeller, die beim Bombenabwurf auf Saarbrücken die Bomben scharf machten. Die Luftangriffe auf Saarbrücken konnten wir von Ensheim aus verfolgen, weil die angebrannten Kassenzettel des »PK« bei uns auf der Straße lagen. Im Oktober 1944, kurz vor der Zerstörung von Saarbrücken, wurden wir wegen der nahenden Front erneut evakuiert. Auf Lastwagen der Wehrmacht wurden wir nach St.Ingbert zur Eisenbahn gefahren. Von dort ging es nach Würzburg, einen Tag vor der Zerstörung von Würzburg, und weiter nach Stendal an der Elbe. Dort gab es erstmal keine Luftangriffe bis Frühjahr 1945. Zu Weihnachten 1945 kehrten wir auf abenteuerliche Weise dem "Arbeiterparadies" den Rücken und kehrten zurück nach Ensheim zur Thalmühle.

E-Mail des Verfassers: Hans.My@t-online.de


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© Paul Glass 1997 - 2004 

Abfassung: 10.04.2004 Letztes Update: -