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Zwangsarbeiterinnen in Ensheim
Zeitzeugenbericht von Frau Uherková (Auszug):
»Ich bekam den Verpflichtungsbescheid am 6. Februar 1944 ... (... ) So gelangten wir nach Wien und dann weiter nach Frankfurt. Dort wurden wir in zwei Gruppen je zwanzig Leute eingeteilt, und ich zusammen mit noch ein paar anderen kam zur Firma Seeger und Co.
Die zwei Monate meines Lebens in Frankfurt waren die Hölle ... Nach einem großen Luftangriff wurde wir dann zusammen mit weiteren Mädchen, die aus Russland kamen, nach Ensheim bei Saarbrücken gebracht, wo der Betrieb eine von mehreren Filialen hatte. Nach all den Strapazen hatten wir endlich eine Weile Ruhe. Es war Frühling, herrliches Wetter und wir hörten ungefähr zwei Monate keine Sirenen.
Gearbeitet wurde 10 Stunden täglich, auch samstags. Manche Mädchen arbeiteten an Maschinen (Pressen), das war gefährlich. Ich arbeitete einige Zeit an einer Bohrmaschine, aber mir gingen immer die Bohrer kaputt, und so schickte mich der Meister zusammen mit Zdena K. in die Küche. Wir verrichteten zwar nur untergeordnete Arbeiten, aber dafür ging die Zeit schneller vorbei. Dort arbeiteten viele Ausländer, ja eigentlich alle. Deutsche waren nur die Meister und die meisten von denen noch Teilinvaliden.
Einige Zeit waren wir im Dorf in einem alten Wirtshaus untergebracht. In einem Haus auf der anderen Straßenseite wohnte eine gute Frau, sie hatte zwei Töchter in unserem Alter und ihr Mann war an der russischen Front verschollen. Sie hatte uns gern, wir gingen immer zu ihr, um unsere Wäsche zu bügeln. Als ich an einer Mandelentzündung erkrankte und schon einige Tage mit Fieber im Lager lag, kam sie zu mir, fasste mir an die Stirn und ging wieder. Nach einer Weile kam ein Arzt, schaute in meinen Hals, schüttelte den Kopf, nahm die Frau beiseite und sagte etwas zu ihr. Sie gingen fort und nach einer Weile brachte sie mir heißen Tee und ein Federbett. Schade, dass ich mich nicht an ihren Namen erinnern kann, Gott selbst hatte sie gesandt.
Der Sommer verlief im Großen und Ganzen ruhig, zwar heulten die Sirenen, oft nachts - dann rannten wir in den Bunker, aber meist bekam es das nahegelegene Saarbrücken ab, dort starben auch viele tschechische Jungen. Sie kamen manchmal am Sonntag nachmittag herüber, um uns zu besuchen, wenn Ruhe herrschte. Aber jedesmal kamen weniger von ihnen.
Der Herbst begann und sie verlegten uns in einen dicht bei der Fabrik gelegenen Raum. Das wurde uns zum Verhängnis. Gerade als die Fabrik mit herbstlicher Tarnfarbe gestrichen wurde, begann über uns ein fremdes Flugzeug zu kreisen und allein die erste Bombe, die auf das Städtchen fiel, vernichtete 8 Menschenleben. Das war am 2. November 1944 während der Mittagspause, als vier unserer Mädchen, die Nachtschicht hatten, im Lager schliefen, ich uns weitere drei ruhten uns gerade aus. Ich höre im Geiste immer noch das Geräusch der fallenden Bombe und dann nur noch ein Schlag auf den Kopf. Ich konnte nicht atmen und dann - nichts mehr. Vier Mädchen von uns und vier der russischen von nebenan, einschließlich eines neugeborenen Babys, waren tot. Meine beste Freundin Marie S., Anna O., Lída V. und Míla K.
Unweit befand sich ein größeres Gebäude, ein Pensionat oder Kloster, es wurde von Ordensschwestern verwaltet. Dorthin trugen sie uns, die sie hatten wiederbeleben können. Ich weiß noch, dass ich wahnsinnige Kopfschmerzen hatte und mir schlecht war. Sie kümmerten sich gut um uns, aber nach ungefähr einer Woche kam ein Offizier, ging einmal durch den Raum und am nächsten Tag mussten wir weg, um verwundeten deutschen Soldaten Platz zu machen. Wir sahen noch den Begräbniszug vorbeigehen - acht Särge aus unbehandelten Brettern. (...)
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Quelle: Havlíková, Jana / Vondrysková, Lucie: Bestimmungsort: Saarland. Tschechische Zwangsarbeiter erinnern sich. Praha 2004, S. 87 ff.
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Letztes Update: 12.05.2005 © Paul Glass 1997 - 2001 ff